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Allerseelen -Totengedenken – Gräbersegnung

Allerheiligen 2026

Liebe Schwestern und Brüder!

Wieder stehen wir an den Gräbern unserer lieben Verstorbenen, manche von uns zum ersten Mal. Viele Gedanken gehen durch unser Denken und verschiedene Stimmungen erfüllen das Herz. Einige von ihnen möchte ich ins Wort fassen.

Es sind wohl viele unter uns, die sich mit Dankbarkeit an all das erinnern, was sie von den Verstorbenen empfangen und was sie mit ihnen erlebt haben. Bei manchen ist diese Erinnerung noch mit Tränen verbunden, da die Trennung noch schmerzt oder auch die Frage bedrückt: Warum kam der Tod so früh, so schnell, so unerwartet und so tragisch?

Unter uns gibt es auch solche, die mit gemischten Gefühlen am Grab stehen. Manche leiden darunter, dass sie den Toten zu ihren Lebzeiten Schmerz zugefügt haben

Wieder andere leiden unter dem, was ihnen die bereits Verstorbenen zugefügt haben an Verhaltensweisen, die nicht recht waren, durch Ungerechtigkeit, durch Lieblosigkeit und durch Verletzungen aller Art.

Der Friedhof soll ein Ort der dankbaren Erinnerung sein und er kann auch zu einem Ort der Versöhnung und der Heilung werden, ein Ort, wo man verzeiht und mit den Vergangenen abschließt. Wenn wir die Last der Vorwürfe und der Bitterkeit nicht ablegen, bleiben wir belastet. Unversöhnlichkeit ist Last, Versöhnung entlastet, heilt und befreit.

Ich lade Sie ein, mit den Toten zu sprechen. Danke, für alles, was du mir gegeben hast. Danke für alles, was du mir bedeutet hast. Danke für alle Hilfe, die ich erfahren haben. Wir dürfen und sollen aber auch sagen: Verzeih mir, was ich nicht recht getan habe, wo ich dich verletzt habe. Oder: Ich verzeihe dir. Ich lasse dich im Frieden ruhen. Ich will dir keine Vorwürfe mehr machen. Umarmen wir uns gegenseitig.

Das Gespräch mit den Toten soll zum Gespräch mit Gott, zum Gebet zu Gott werden. Großer Gott, wie bin ich dir dankbar für so viel Mutterliebe oder Vaterliebe und andere Liebe, die ich erfahren habe, für so viel Gutes, dass ich empfangen habe – von Verwandten, Freunden, Lehrpersonen, Priestern, Wegbegleitern und Menschen, die mir im einen und anderen Punkt ein Vorbild waren. Ich weiß, nichts von alldem Guten ist verloren. Danke! Danke!

Andere werden beten: Guter Gott, ich bitte dich: Befreie und heile meine Beziehung zu den Toten von nachtragenden Gedanken, von Anklagen aller Art, von Wunden, die sie mir oder die ich ihnen geschlagen habe. Du bist groß an Erbarmen. Verzeihe ihnen und verzeihe mir. Verwandle alle Beziehungen in Frieden und Ruhe. Trockne alle Tränen. Lass mein Herz ruhig und still werden in deiner Gegenwart, o großer Gott, und in der Gegenwart der Toten.

Wir werden dann in die ewige Ruhe eingehen, wenn wir versöhnt mit Gott, versöhnt mit den Lebenden und Verstorbenen und versöhnt mit uns selber sind. Hören wir jetzt ein Friedensgebet, das ein unbekannter, glaubender Mensch im Jahre 1913 in Frankreich formuliert hat:

Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,
dass ich liebe, wo man hasst;
dass ich verzeihe, wo man beleidigt;
dass ich verbinde, wo Streit ist;
dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist;
dass ich Glauben bringe, wo Zweifel droht;
dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;
dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert;
dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.

Herr, lass mich trachten,
nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;
nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;
nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.
Denn wer sich hingibt, der empfängt;
wer sich selbst vergisst, der findet;
wer verzeiht, dem wird verziehen;
und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben

P. Peter Willi FSO