Liebe Gläubige!
Die beiden wichtigsten Bücher für uns Katholiken sind die Heilige Schrift und der Katechismus. In der Heiligen Schrift ist uns das Wort Gottes aufbewahrt. Es ist an uns ergangen durch Moses und die Propheten im Alten Bund sowie durch Jesus Christus, das menschgewordene Wort Gottes, und die Apostel. Im Katechismus ist die Lehre unseres Glaubens zusammengefasst. Bereits der heilige Paulus spricht an manchen Stellen vom Wort Gottes und der Lehre.
Schon bald nach dem Pfingstfest gab es die ersten Auseinandersetzungen zur Frage: Wie sollen wir die Worte, die Lehre Jesu verstehen? Können nur die Juden gerettet werden oder auch die Nichtjuden? Was sind die Bedingungen dafür? Es mussten Entscheidungen getroffen werden.
Von Anfang an war klar: Die Apostel unter der Leitung des Petrus haben die Entscheidungen zu treffen. Warum Petrus? Weil Jesus zu Petrus gesagt hat: „Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird im Himmel gelöst sein“ (Mt 16,18). Mit anderen Worten: Petrus, du hast zu entscheiden. Und deine Entscheidungen gelten auch im Himmel. Das war ein so wichtiges Wort an Petrus, dass diese Szene auch in der Gisinger Kirche als drittes Deckengemälde zu sehen ist. Jesus hat dem Petrus Entscheidungsvollmacht übertragen für alles, was den Glauben und die Ordnung der Kirche betrifft.
Als katholische Christen wollen wir alles glauben, was in der Heiligen Schrift steht und auch alles, was im Katechismus steht. Ein Beispiel: In der Heiligen Schrift kommt das Wort Fegefeuer nicht vor. Im Lauf der Zeit kam man in der Kirche unter der Fürhung des Heiligen Geistes zur Erkenntnis: Es muss auch nach dem Tod eine Läuterung und Reinigung der Seele geben. Warum? Viele Menschen sterben, aber trotz vieler Mängel haben sie „die Hölle nicht verdient“. Aber sie waren auch noch nicht „reif für den Himmel“, denn manch einer verlässt die Welt im Streit mit anderen oder er war ein guter Mensch, aber kein gläubiger Mensch. Ausgehend von einzelnen Worten in der Heiligen Schrift hat sich unter der Führung des Heiligen Geistes und dem Lehramt der Kirche die Lehre vom Reinigungsort, vom Fegefeuer, entwickelt und diese Lehre wurde als eine der vielen Glaubenslehren vom Papst, dem Nachfolger des hl. Petrus, und den Bischöfen, den Nachfolgern der Apostel definiert. Alle diese Entscheidungen sind im Katechismus der Kirche zusammengefasst. Viele Fragen sind da im Laufe der Kirchengeschichte aufgetaucht und immer neue Fragen tauchen auf; z. B.:
Wer ist der Heilige Geist – nur eine göttliche Kraft oder eine göttliche Person? Wie viele Sakramente gibt es eigentlich? Ist Maria nur mit der Seele im Himmel oder schon bereits mit dem Leib? Könnte man Frauen zu Priestern weihen oder nicht? Welche Methoden der Empfängnisregelung, der Verhütung, sind für Katholiken akzeptabel? Ist es moralisch gerechtfertigt, einen gefährlichen Massenmörder zu töten oder nicht? Können nur Mann und Frau das Sakrament der Ehe empfangen oder auch Mann und Mann, Frau und Frau? Wer entscheidet, ob man den Carlo Acutis als Heiligen verehren darf oder nicht?
Wir Katholiken haben ein Amt, dem die letzten Entscheidungen zukommt. Das ist das Petrusamt, das der Papst als Nachfolger des hl. Petrus verwaltet. Er darf nur solche letzte Entscheidungen treffen, die vom Großteil der Bischöfe mitgetragen werden.
Ein Katholik kann eigentlich nicht sagen: Ich hole mir dies und jenes aus der Bibel, aus dem Katechismus und von den Entscheidungen der Päpste heraus, was ich irgendwie annehmen und verstehen kann. Wenn der einzelne Katholik da Schwierigkeiten hat, soll er weiter darum ringen, bis er alles annehmen kann. Wenn jemand im Auftrag der Kirche den Glauben der Kirche verkündet – das sind die Bischöfe, die Priester, die Diakone, aber auch Theologieprofessoren oder Religionslehrer – dann dürfen sie abweichende Ansichten nicht vertreten. Bei der Priesterweihe hat mich der Bischof gefragt: „Bist du bereit, in der Verkündigung des Evangeliums und in der Darlegung des katholischen Glaubens den Dienst am Wort Gottes treu und gewissenhaft zu verkünden?“ Darauf habe ich geantwortet: „Ich bin bereit.“ Es ist eine große und schöne Aufgabe und zugleich eine große Verantwortung, über die ich nach meinem Tod vor Gott Rechenschaft ablegen muss. Ob ein Papst, ein Bischof oder ein Priester beliebt ist oder nicht, das ist nicht entscheidend. Entscheidend ist, dass er, wie der hl. Paulus sagt, das ihm anvertraute Glaubensgut treu verkündet, bezeugt und auch verteidigt. Warum? Weil der Glaube der Weg zum ewigen Leben ist.
Danken wir Gott für das Petrusamt, durch das die Fülle des Glaubens durch 2000 Jahre bewahrt worden ist und seien wir treue Hörer des Wortes Gottes in der Bibel und der heiligen Glaubenslehre im Katechismus. Amen.
Pfarrer P. Peter Willi FSO
