Neujahr 2019 – Mit Vertrauen auf Gott in die Zukunft gehen

Drucke diesen Beitrag

Neujahrspredigt 2019
„Selig, die nicht sehen und doch glauben“ (Joh 20,29).
Im Vertrauen auf Gott in die Zukunft gehen

Schwestern und Brüder im Herrn!

Wir Menschen leben in der Zeit. In der Zeit leben bedeutet: Es gibt ein Jetzt, ein Gestern und ein Morgen, es gibt Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft. Ich weiß, dass es tiefgründige naturwissenschaftliche, philosophische und theologische Studien über das Wesen der Zeit gibt. Darauf können wir uns jetzt nicht einlassen. Aber eines wissen und verstehen wir alle: Es gibt die Gegenwart, die Vergangenheit und die Zukunft.

In unserer Sprache sagen wir: die Zukunft liegt vor uns und die Vergangenheit liegt hinter uns. Das Jahr 2018 liegt hinter uns und das Jahr 2019 liegt vor uns. Im biblischen Denken ist das anders; da heißt es: die Vergangenheit liegt vor uns und die Zukunft liegt hinter uns. In der hebräischen Sprache, in der Muttersprache Jesu, gibt es zwei Worte, – ich habe sie einmal gewusst, aber wieder vergessen – die man zweifach übersetzen kann. Das eine bedeutet entweder Vergangenheit oder es bedeutet: vor, z. Bsp. vor mir oder vor dem Haus. Und ein anderes Wort heißt entweder Zukunft oder hinten. Wie geht der biblisch denkende Mensch in die Zukunft? Er geht „mit dem Rücken“ in die ihm unbekannte Zukunft und sieht die ihm bekannte Vergangenheit vor sich.

Das, was in der Vergangenheit war, das wissen wir, zwar nicht alles, aber doch vieles. Aber was die Zukunft bringen wird, das wissen wir in vielerlei Hinsicht nicht. Manches können wir mit ziemlicher Gewissheit sagen, vieles aber nicht. Einige wenige Beispiele:

Wie werden sich die Finanzmärkte entwickeln? Wird es im Jahr 2019 große Wetterkatastrophen geben? Wird es in den europäischen Gesellschaften oder sonst wo größere Unruhen oder Kriege geben? Welche erfreulichen Überraschungen hält Gott für mich bereit? Wie wird sich die Krankheit meines Kindes entwickeln? Werde ich meinen Arbeitsplatz sicher behalten können? usw.

Die Zukunft ist ein vielfach unbekanntes Land; deshalb gehen wir in ein zum Teil bekanntes, aber auch in ein in vielfacher Hinsicht unbekanntes Land. Hier gilt nun das Wort Jesu: „Selig, die nicht sehen und doch glauben“ (Joh 20,29). Der Christ, der auf die Vergangenheit schaut, die vor ihm liegt, wird sagen dürfen: Gott war mit mir. Es gab schöne Zeiten und es gab schwierige Perioden. Ich habe Gutes gemacht und mancher Mensch wird sagen: Ich habe Fehler und Dummheiten gemacht. Aber Gott hat mir immer wieder geholfen. Der große Heilige der Ostkirche, der heilige Johannes Chrysostomus, hat in seinem Leben viel Schweres erlebt und musste viel Unrecht hinnehmen. Die letzten Worte aus seinem Mund jedoch waren: „Gott alles gut gemacht.“

Liebe Gläubige: Gehen wir mit Vertrauen in die Zukunft, trauen wir Gott etwas zu. Selig, die nicht sehen und doch glauben. Selig, die mit Vertrauen in die Zukunft gehen, ohne sie zu kennen. Ich bitte alle, auf Horoskope, Tischlrücken und andere abergläubische Praktiken zu verzichten, mit denen mit neugierig die Zukunft erforschen will. So etwas ist ein Verstoß gegen das Gottvertrauen.

Wir leben in einer Planungsgesellschaft. Planen ist gut, voraussehen ist gut. Schon im Alten Testament wird die tüchtige Frau gepriesen, die vorausschaut und vorsorgt. Vorausschauen und vorsorgen sind wichtige Haltungen, denn es gibt zum Beispiel Menschen, die sich schwer tun, die Ausgaben des Geldes gut zu planen.

Planen wir aber nicht zu viel. Planen wir mit Maß! Wenn wir alles durchplanen, wozu brauchen wir dann noch Gott? Darf Gott auch dazwischen kommen? Darf Gott auch einmal zu uns sagen: „Nicht dein Wille geschehe, sondern mein Wille geschehe. Du kleiner Mensch: Ich weiß noch viel besser, was für dich gut ist.“ Manchem Menschen, der ganz nervös und durcheinander ist, darf man sagen: „Gott ist auch noch da!“ Wie viel Freude hat so manches nicht geplante Kind gebracht? Persönlich bin ich Gott sehr dankbar, dass ich vieles, was in den vergangenen 37 Priesterjahren auf mich zugekommen ist, vor meiner Priesterweihe nicht gewusst habe. Er hat mir Begeisterung für den priesterlichen Dienst ins Herz gesenkt und mich in eine „glückliche“ Unwissenheit eingetaucht. Mit den wachsenden Aufgaben jedoch gab er mir Kraft, viel Kraft, und sandte mir Hilfe und Helfer.

Vielfach gibt Gott die Kraft und die Hilfe nicht im Voraus, sondern erst dann, wenn wir sie brauchen. Rechnen wir also voll Vertrauen mit der Kraft und Hilfe Gottes. Er ist da, er ist auch noch da. Wir beten nicht: Gib uns im Jahr 2019 immer genug Brot. Wir beten: Gibt uns heute unser tägliches Brot. Also: Das Brot für den heutigen Tag.

Manche planen mit Expertise, mit Sicherheit, mit Selbstsicherheit ihre Zukunft, ihre private Zukunft oder ihre wirtschaftliche Zukunft usw. Aber: Können wir wirklich alles planen? Haben wir wirklich alles in der Hand? Der Christ bleibt demütig, er weiß sich von Gott abhängig, er weiß, dass er weder sich selbst in der Hand hat, noch die anderen, noch irgendeine Situation oder das Fahrverhalten anderer Verkehrsteilnehmer. Deshalb blickt der glaubende Mensch bei aller sinnvollen Zukunftsplanung demütig und vertrauensvoll nach oben und ruft hinauf: Gott, bleib bei mir, segne mich und alle, die ich liebe.

Da gibt es noch ein Wort, das ich Euch für 2019 mitgeben möchte: Es heißt: Durchhalten. In unserem Leben gibt es Momente, da sind wir versucht, wegzulaufen, zu kapitulieren oder alles hinzuschmeißen. Der Kopf ist durcheinander und wir sehen nicht mehr klar oder sehen uns überfordert. Die Gefühle und Stimmungen sind durcheinander. Der Wille ist schwach und man meint: Ich kann nicht mehr. Andere reden vielleicht auf uns ein und sagen: Tu dir das doch nicht mehr an. Weitermachen hat keinen Sinn mehr. In solchen Momenten heißt die Devise: Durchhalten, Gott ist auch noch da. Und Mutter Julia rät: Wenn jemand meint, den anbrechenden Tag nicht zu schaffen, dann ist es gut, ihn zu halbieren und zu sagen: Jetzt konzentriere ich mich auf den Vormittag und dann auf den Nachmittag. So kann man das Leben in „kleinen Portionen“ meistern.

Durchhalten, durchhalten, durchhalten! Warum? Weil derjenige, der vor 2000 Jahren in Bethlehem geboren ist, uns vor seiner Himmelfahrt gesagt hat: „Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Mt 28,20). Amen.

P. Peter Willi FSO