{"id":1547,"date":"2017-10-20T00:00:31","date_gmt":"2017-10-19T22:00:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pfarre-gisingen.at\/sebastian\/?p=1547"},"modified":"2017-10-30T10:17:20","modified_gmt":"2017-10-30T09:17:20","slug":"bruecken-der-menschlichkeit-bauen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pfarre-gisingen.at\/sebastian\/bruecken-der-menschlichkeit-bauen","title":{"rendered":"Br\u00fccken der Menschlichkeit bauen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Predigt von Bischof Benno Elbs beim Visitationsgottesdienst in Gisingen<\/strong><br \/>\n<strong>am 15. Oktober 2017<\/strong><\/p>\n<p><em>Lesung: 1 Kor 3,6-10<\/em><br \/>\n<em>Evangelium: Lk 14,12-14<\/em><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.pfarre-gisingen.at\/sebastian\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Bischof-Benno-Elbs-15.-Oktober-2017.pdf\">Predigt im PDF_Format<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.pfarre-gisingen.at\/sebastian\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/gisingen-visitation-bischof4.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1549\" src=\"http:\/\/www.pfarre-gisingen.at\/sebastian\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/gisingen-visitation-bischof4-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" \/><\/a>Liebe Pfarrgemeinde von Gisingen!<\/p>\n<p>Das heutige Erntedankfest und mein Pastoralbesuch bei euch laden uns ein, \u00fcber die Bedeutung der christlichen Gemeinde nachzudenken. Es ist erst zwei Jahre her, dass ihr das 150-j\u00e4hrige Jubil\u00e4um der Errichtung eurer Pfarrkirche gefeiert habt. Dazu habt ihr eure Kirche renoviert und wieder f\u00fcr viele Jahre einladend gestaltet als einem Ort der Besinnung, des Gebetes und der Feier der Gottesdienste. Auch das l\u00e4sst eine Stimmung von Erntedank aufkommen.<\/p>\n<p>Wenn wir in die Welt schauen &#8211; heute und in den letzten Wochen &#8211; dann entdecken wir, dass es verschiedene Logiken und Denkweisen sind, die unseren Alltag bestimmen. Da ist einmal die <em>Logik der Medien<\/em>. Wir lesen in Zeitungen, wir surfen im Internet, wir zappen durch die Programme des Fernsehens und \u00fcbernehmen von dort unsere Ma\u00dfst\u00e4be. Die Frage ist oft: Wie komme ich an? Wie werde ich gesehen?<\/p>\n<p>Sogar ich selber poste jetzt auch auf Instagram, weil ich als Bischof, als Kirche die heutigen Kommunikationsmittel unserer Medienwelt n\u00fctzen will und muss, um immer wieder auch etwas von der ansteckenden Botschaft Jesu auszustreuen, mit anderen zu teilen. Ich habe noch nicht so viele Follower wie Papst Franziskus, ich habe ja erst auf Instagram angefangen. Auf keinen Fall m\u00f6chte ich ihm den ersten Platz streitig machen. Wir haben es in den Auseinandersetzungen im Vorfeld der heutigen Nationalratswahl gesehen, wie gro\u00df die Macht dieser Medien ist, wie hier auch Menschen besch\u00e4digt, verletzt, im Innersten gekr\u00e4nkt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Dann gibt es die <em>Logik der N\u00fctzlichkeit<\/em>, die uns Vorarlbergerinnen und Vorarlbergern gut bekannt ist. Sie schleicht sich oft unbemerkt in unser Leben ein, zum Beispiel mit der oft geh\u00f6rten Frage, die manchmal auch wie ein Totschl\u00e4ger wirkt: Was bringt mir das? Oder da ist auch die <em>Logik des Marktes<\/em>, die uns pr\u00e4gt. Die Finanzm\u00e4rkte haben tiefgreifende Auswirkungen auf Staaten und auf Menschen, auf Reichtum und auf Armut. Und da ist auch die <em>Logik des Terrorismus<\/em>, die unser Verhalten bestimmt. Die Anschl\u00e4ge, die da und dort immer wieder geschehen haben das eine Ziel, Menschen in Angst zu versetzten. Sie haben das Ziel, Misstrauen zu s\u00e4en. Sie haben das Ziel, zu zerst\u00f6ren. Liebe Schwestern und Br\u00fcder, wir alle leben in und mit diesen Logiken und Denkmustern, und es hilft nicht weiter, dar\u00fcber zu jammern. Das will ich auch gar nicht tun. Die Frage ist aber doch: Was kann eine christliche Gemeinde in dieser Welt, wie sie sich uns heute zeigt, tun? Welches Zeugnis kann, ja muss sie geben?<\/p>\n<p><strong>Gott ist mit uns verbunden<\/strong><\/p>\n<p>Erstens, glaube ich, eine christliche Gemeinde ist ein Zeugnis daf\u00fcr, dass Gott jeden Augenblick unseres Lebens mit uns verbunden ist. Das ist ein Gedanke, den Fr\u00e8re Roger Schutz gepr\u00e4gt hat und den auch Papst Franziskus aufgenommen hat: Gott ist jeden Augenblick mit dir verbunden.<\/p>\n<p>Wenn wir in die Welt schauen, dann haben wir den Eindruck, dass die Welt heute wenig Gottesbedarf hat. Aber die Menschen haben viele Sorgen. Glauben Menschen heute daran, dass sie diese Sorgen mit Gott l\u00f6sen k\u00f6nnen? Der bekannte geistliche Schriftsteller Richard Rohr berichtet von einem Gespr\u00e4ch mit einem Einsiedler, der zu ihm gesagt habe: Herr Professor, wenn Sie B\u00fccher schreiben, wenn Sie in aller Welt Vortr\u00e4ge halten, dann sagen Sie den Menschen vor allem eines: Gott ist nicht irgendwo fern, weit weg, drau\u00dfen, sondern Gott ist mitten drin, er ist \u00fcberall dort, wo Menschen leben. Und das, glaube ich, ist das Zentrale f\u00fcr unsere Gemeinde in Gisingen, dass wir F\u00e4hrtenleserinnen und F\u00e4hrtenleser dieser Spuren Gottes in unserem Leben werden.<\/p>\n<p>Sehr beeindruckt hat mich der Brief eines Vaters, dessen Kind erst vor kurzem einen schweren Unfall hatte, bei dem dieser Jugendliche eine Hand verloren hat. Die Familie hatte mich daraufhin kontaktiert und habe dem Jungen einen Rosenkranz geschenkt. Der Vater berichtete mit gro\u00dfer Freude und Betroffenheit, dass sein Sohn oft diesen Rosenkranz in die Hand nimmt und ihn nachdenklich ber\u00fchrt. Er sah es als einen Hinweis darauf, dass Gott gerade auch in dieser so schweren Situation des Lebens da ist, in der ein junger Mensch sich damit zurecht finden muss, mit einer Behinderung zu leben.<\/p>\n<p><strong>Dankbarkeit f\u00fchrt zu Gott<\/strong><\/p>\n<p>Ein Zweites: Eine christliche Gemeinde ist ein Ort der Dankbarkeit. Was f\u00fchrt Menschen zu Gott, haben sich die gro\u00dfen Mystiker und Ordensgr\u00fcnder immer wieder gefragt. Eine Hauptstra\u00dfe in das Geheimnis Gottes ist die Dankbarkeit. Ein Mensch, der dankbar ist, sp\u00fcrt und wei\u00df, es gibt Gr\u00f6\u00dferes als mich selbst. Ein dankbarer Mensch wei\u00df, dass er ein Beschenkter ist: das Geschenk des Lebens, die Gesundheit, die Beziehungen, die uns st\u00fctzen. Dankbarkeit und die Achtsamkeit auf diese Geschenke des Lebens sind das, was Menschen im Innersten zu religi\u00f6sen Menschen macht. Gerade das Erntedankfest l\u00e4dt uns neu zu dieser Haltung ein. Die Mutter Erde, von der wir ein Teil sind, wie Papst Franziskus sagt, schenkt uns die Gaben, die wir zum Leben brauchen. Und das Erntedankfest l\u00e4dt uns ein, hier Danke zu sagen.<\/p>\n<p>Und ich glaube, es ist auch wichtig, diese Haltung in unsere Familien zu tragen. Das Tischgebet, zum Beispiel vor einem Essen oder nach einem Essen, ist immer wieder ein kleines Erntedankfest, ein kleines Danke an Gott, den Sch\u00f6pfer. Eine Familie, die diese Haltung der Dankbarkeit lebt und dies auch zeigt in dieser kleinen Geste des Tischgebetes, strahlt etwas aus von dieser gro\u00dfen Zuwendung Gottes an unser Leben. Ein beeindruckendes Beispiel von Dankbarkeit habe ich heuer im Fr\u00fchjahr erlebt. Das Haus einer Familie in Hohenems war abgebrannt und diese Familie hat von vielen Menschen Hilfe und Solidarit\u00e4t erfahren. Der Vater hat mir erz\u00e4hlt, das Wichtigste f\u00fcr sie sei nicht das Geld gewesen, die materielle Unterst\u00fctzung, um die sie nat\u00fcrlich auch sehr froh waren. Das Wichtigste aber war f\u00fcr sie, dass Menschen da waren, die Anteil genommen haben, die Zuwendung gezeigt haben, mit dem Herzen gegeben haben, Solidarit\u00e4t gezeigt haben. Daf\u00fcr waren sie besonders dankbar. Ja, ich glaube, eine christliche Gemeinde ist ein Ort der Dankbarkeit und aus dieser Haltung wachsen Solidarit\u00e4t und N\u00e4chstenliebe.<\/p>\n<p><strong>Sich gemeinsam freuen<\/strong><\/p>\n<p>Und drittens glaube ich, eine christliche Gemeinde ist ein Ort des gemeinsamen Feierns und der gemeinsamen Freude. Viele Menschen machen heute die Erfahrung, dass die Welt k\u00e4lter geworden ist. Besonders auch junge Menschen dr\u00fccken das immer wieder in Gespr\u00e4chen und bei Diskussionsrunden aus. Sie haben manchmal nicht das Gef\u00fchl, mit ihrem Weg und dem, was sie besch\u00e4ftigt, verstanden und getragen zu sein. Ich glaube, eine christliche Gemeinde ist ein Ort, wo diese Haltung der Menschlichkeit im Zentrum steht. Papst Franziskus umschreibt diese Haltung mit den Worten: \u201eGott wird nie m\u00fcde, die T\u00fcr seines Herzens offen zu halten.\u201c<\/p>\n<p>Was aber sind diese Pfeiler, die eine Br\u00fccke der Menschlichkeit bauen? Bischof Joachim Wanke hat die sieben Werke der Barmherzigkeit sehr treffend und pr\u00e4gnant f\u00fcr unsere moderne Zeit \u00fcbersetzt. Sie hei\u00dfen: <em>Du geh\u00f6rst dazu. Ich h\u00f6re dir zu. Ich rede gut \u00fcber dich. Ich geh ein St\u00fcck mit dir. Ich teile mit dir. Ich besuche sich. Ich bete f\u00fcr dich.<\/em><\/p>\n<p>Ich glaube, eine Gemeinde, die auf diese Pfeiler gebaut ist, auf denen die Br\u00fccke der Menschlichkeit steht, wird auch ein Ort der Freude sein, weil es sich lohnt, hier zu leben. Sie wird auch ein Ort des gemeinsamen Feierns sein. Eine Br\u00fccke entsteht nur, wenn wir gemeinsam unterwegs sind \u2013 im Alltag, bei der Arbeit, in der Schule, in der Freizeit, im Gottesdienst, in der sonnt\u00e4glichen Eucharistie oder in anderen Formen des Gottesdienstes. Wer glaubt, ist nie allein, ja ich meine sogar, alleine kann man auf Dauer nicht Christ sein.<\/p>\n<p>Liebe Schwestern und Br\u00fcder!<\/p>\n<p>Ich w\u00fcnsche uns allen, dass diese Logik einer christlichen Gemeinde unser Leben pr\u00e4gt: _ dass wir ein Ort sind, wo Menschen erfahren d\u00fcrfen, dass Gott jeden Augenblick unseres Lebens mit uns verbunden ist;<\/p>\n<p>_ dass wir eine Gemeinschaft der Dankbarkeit sind, dass wir uns immer wieder dankend vor Gott stellen im Gottesdienst, als Familie im Tischgebet und aus dieser Dankbarkeit heraus solidarisch und respektvoll und in N\u00e4chstenliebe miteinander leben;<\/p>\n<p>_ dass wir getragen werden von einem positiven Miteinander und von einer gemeinsamen Feier, einer Feier, die mich tr\u00e4gt, wenn ich einmal schwach bin, und wo ich der oder die Tragende bin, wenn andere es brauchen. In diesem Sinne bitte ich Gott um den Segen f\u00fcr eure Gemeinde.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.bischof-von-feldkirch.at\/im-wortlaut\">www.bischof-von-feldkirch.at\/im-wortlaut<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt von Bischof Benno Elbs beim Visitationsgottesdienst in Gisingen am 15. 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