{"id":28900,"date":"2026-09-17T14:55:09","date_gmt":"2026-09-17T12:55:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pfarre-gisingen.at\/sebastian\/?p=28900"},"modified":"2026-09-17T15:17:47","modified_gmt":"2026-09-17T13:17:47","slug":"der-sonnengesang-des-hl-franziskus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pfarre-gisingen.at\/sebastian\/der-sonnengesang-des-hl-franziskus","title":{"rendered":"Der Sonnengesang des hl. Franziskus"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Schwestern und Br\u00fcder,<\/p>\n<p>am 3. Oktober 2026 feiern wir den 800. Todestag des heiligen Franz von Assisi. Er wuchs in einem reichen Haus auf. Der Vater hatte Gesch\u00e4ftsbeziehungen zu Frankreich und nannte deshalb seinen Sohn Francesco, d.h. kleiner Franzose. Im dritten Lebensjahrzehnt nach einer Verwundung fiel das Feuer des Heiligen Geistes in sein Herz. Er wollte nur mehr wie Jesus leben, arm und bescheiden wie Jesus, er wollte nur mehr mit Jesus und f\u00fcr Jesus leben. Sein radikal gelebter Glaube und jener der hl. Klara zog Scharen von jungen M\u00e4nnern und Frauen an: Die franziskanische Ordensfamilie entstand. Am Ende seines Lebens schrieb er den Sonnengesang.<\/p>\n<p>Franziskus lag schwer krank in einem kleinen G\u00e4rtchen des Klosters San Damiano in Assisi, Schwestern pflegen ihn. Er ist ausgemergelt, geschw\u00e4cht, nahezu blind \u2013 und ahnt mit seinen rund 40 Jahren vielleicht schon, dass sein Leben sich dem Ende zuneigt.<\/p>\n<p>In dieser Situation schreibt er einen wunderbaren Gesang auf die Sch\u00f6nheit und Herrlichkeit von Gottes Sch\u00f6pfung. Die verschiedenen Sch\u00f6pfungswerke sind f\u00fcr ihn wie eine g\u00f6ttliche Familie: Die Sonne und das Feuer sind f\u00fcr ihn Br\u00fcder, der Mond und das Wasser sind f\u00fcr ihn Schwestern. Die Erde nennt er eine Mutter. Franziskus lobt und preist Gott und immer wieder sagt er: Sei gelobt, Herr! 33 Verse hat dieser Sonnengesang. Sie entsprechen den 33 Lebensjahren Jesu Christi.<\/p>\n<p>Das Herz von Franziskus quillt \u00fcber von Staunen: Er staunt \u00fcber das Wasser, das n\u00fctzlich, demutsvoll und keusch ist und unseren Durst l\u00f6scht. Er ist ber\u00fchrt von der Mutter Erde, die uns ern\u00e4hrt, erh\u00e4lt und Fr\u00fcchte tr\u00e4gt. L\u00e4dt uns Franziskus nicht ein, zur Ruhe zu kommen, zu staunen, zu bewundern, Gott zu loben und zu preisen? Wie viele Wanderer, Kletterer, Biker oder Urlauber an den K\u00fcsten der Seen und Meere oder wie viele Menschen in den G\u00e4rten suchen auch Momente der Stille, des Staunens, des Betens, des Bewunderns, des Dankens? Franziskus sagt uns: Komm zur Ruhe. Leg das Handy zur Seite und lies in der ersten Bibel, in der herrlichen Sch\u00f6pfung Gottes, lobe und preise Gott. Und dann nimm die zweite Bibel in die Hand und h\u00f6re auf das Wort Gottes. In beiden Bibel hat Franziskus ein Leben lang gelesen und meditiert.<\/p>\n<p>Neben dem Staunen ist die Demut die Herzenshaltung, die den ganzen Sonnengesang durchzieht. Die Demut ist unser Weg zu Gott, so wie die Demut der Weg Gottes zu uns Menschen war. Die Demut ist auch die Haltung, die zum Frieden f\u00fchrt. Das Lob auf Gottes Werke im Sonnengesang geht \u00fcber in eine Friedensstrophe.<\/p>\n<p>Gelobt seist du, mein Herr, f\u00fcr jene, die verzeihen um deiner Liebe willen<br \/>\nund Krankheit ertragen und Not.<br \/>\nSelig, die ausharren in Frieden,<br \/>\ndenn du, H\u00f6chster, wirst sie einst kr\u00f6nen.<\/p>\n<p>Gott hat uns eine so wunderbare Welt geschenkt. Warum streiten die Menschen so viel im Garten Gottes? Es ist tats\u00e4chlich etwas Geheimnisvolles, dass wir Menschen so schwach sind und dass so oft und so schnell der Unfriede \u00fcber uns hereinbricht. Warum so viele Verletzungen, so viele L\u00fcgen, so\u00a0 \u00f6se Worte und Taten, so viele Missverst\u00e4ndnisse. Immer wieder versteht ein Mitmensch ein Wort oder einen Satz, den ein anderer ausgesprochen hat, so ganz anders, als er ihn gemeint hat und dann b\u00f6se auf ihn ist. Ja, der Mensch ist schwach und der Teufel schleicht \u00fcberall herum, um Freundschaft, Liebe und Eintracht zu belasten, zu zerst\u00f6ren und zu zerschlagen. Deshalb sagt Jesus im heutigen Evangelium , dass wir siebzigmal siebenmal, als 490 Mal verzeihen sollen (vgl. Mt 18,22). Friede war eine die gro\u00dfen Sehns\u00fcchte des hl. Franziskus und g\u00f6ttlich in dieser Welt leben, bedeutet f\u00fcr Franziskus Frieden stiften. Gott sei Dank m\u00fcssen wir nie resignieren, denn mit Jesus ist Friede immer m\u00f6glich. Die letzten Worte des Sonnengesangs lauten:<\/p>\n<p>Gelobt seist du, mein Herr, f\u00fcr unsere Schwester, den leiblichen Tod;<br \/>\nkein lebender Mensch kann ihm entrinnen.<br \/>\nWehe jenen, die in t\u00f6dlicher S\u00fcnde sterben.<br \/>\nSelig, die er finden wird in deinem heiligsten Willen,<br \/>\ndenn der\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Zweiter_Tod\">zweite Tod<\/a>\u00a0wird ihnen kein Leid antun.<\/p>\n<p>F\u00fcr Franziskus, wie auch f\u00fcr das Neue Testament, gibt es einen ersten Tod und einen zweiten Tod. Mit erstem Tod ist die traurige Tatsache gemeint, dass Gott im Menschenherzen stirbt, die Wahrheit, die Liebe stirbt. Mit Jesus kann und soll dieser Tod \u00fcberwunden werden. Von diesem Tod spricht der barmherzige Vater, der \u00fcbergl\u00fccklich \u00fcber seinen Sohn ist, der nach Hause zur\u00fcckkehrt. Zum zweiten Sohn sagt er: \u201eDieser, mein Sohn, war tot und lebt wieder\u201c (Lk 15,24). Franziskus nennt den zweiten Tod eine Schwester. Wer den ersten Tod \u00fcberwunden hat, kann dem Tod des Leibes mit Hoffnung entgegengehen, ja sogar mit Freude. Da ein solcher Mensch im heiligsten Willen Gottes lebt, kann ihm nichts mehr schaden. Dieser zweite Tod ist das Tor zum ewigen Leben.<\/p>\n<p>Lassen wir uns immer wieder neu vom Sonnengesang des hl. Franziskus inspirieren. Danken wir Gott f\u00fcr das Geschenk des hl. Franziskus. Amen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Schwestern und Br\u00fcder, am 3. Oktober 2026 feiern wir den 800. Todestag des heiligen Franz von Assisi. 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