{"id":3858,"date":"2019-03-25T19:25:51","date_gmt":"2019-03-25T18:25:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pfarre-gisingen.at\/sebastian\/?p=3858"},"modified":"2019-03-25T19:25:51","modified_gmt":"2019-03-25T18:25:51","slug":"umkehr-zum-leben-predigt-vom-3-fastensonntag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pfarre-gisingen.at\/sebastian\/umkehr-zum-leben-predigt-vom-3-fastensonntag","title":{"rendered":"Umkehr zum Leben &#8211; Predigt vom 3. Fastensonntag"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-3859\" src=\"http:\/\/www.pfarre-gisingen.at\/sebastian\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/DSC03804-e1553538279575.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" \/>Liebe Gl\u00e4ubige,<\/p>\n<p>es gibt <u>einen<\/u> winzigen Ort auf der ganzen Welt, den wir selber gestalten k\u00f6nnen. Dieser winzige Ort ist unser eigenes Herz. Christen sind Menschen, die bereit sind, da Hand anzulegen. Sie h\u00f6ren auf die Botschaft Jesu Christi und diese Botschaft ruft sie zu einer lebenslangen Umkehr, zu einer st\u00e4ndigen Erneuerung ihres Lebens. Einen solchen Aufruf haben wir soeben im Sonntagsevangelium vernommen (vgl. Lk 13, 1-5).<\/p>\n<p>Wenn ich mich in einem ganz dunklen Raum befinde, der sehr schmutzig ist, dann werde ich den Schmutz nicht sehen. Wenn sich im Raum eine Gl\u00fchbirne oder andere Lichtquelle mit einem Stufenregler f\u00fcr die Lichtst\u00e4rke befindet und wenn ich so den Raum mit 50 Watt ausleuchte, dann sehe ich den \u00e4rgsten Schmutz. Wenn ich den Regler weiter aufdrehe auf 75, auf 100 oder auf 150 Watt, dann sehe ich immer mehr Schmutz, ja ich kann sogar den feinsten Staub sehen. So geht es dem Christen. Wer bewusst als Christ lebt, wer sich dem Wort Gottes \u00f6ffnet, der beginnt immer mehr zu sehen. Er wird Gott und die Werke Gottes immer mehr erkennen, er wird aber auch seine eigenen Fehler immer mehr erkennen. Es gibt Menschen, die sagen: \u201eIch wei\u00df nicht, was ich beichten m\u00fcsste. Umgebracht habe ich niemanden und ein paar kleine Fehler geh\u00f6ren zum Leben.\u201c Solchen Menschen fehlt viel inneres Licht. Andere hingegen erkennen auch kleine \u00c4u\u00dferungen des Unmutes, die Nachl\u00e4ssigkeiten Tag f\u00fcr Tag oder die Chancen f\u00fcr das Gute, die sie verpasst haben.<\/p>\n<p>Echte Christen sind Menschen, die innerlich offen und bereit sind, umzukehren. Damit sind sie in unserer Gesellschaft jedoch besondere Menschen. Warum? Weil viele sagen: Ich bin o.k. Christen sind Menschen, die umkehren. Ein afrikanisches Sprichwort sagt: \u201eDas B\u00f6se ist ein H\u00fcgel. Jeder steht auf seinem und zeigt auf einen anderen.\u201c Echte Christen enthalten sich der st\u00e4ndigen Fremdbeschuldigung und fangen bei sich selber an. Wie schaut Umkehr aus? Ich nenne nur ganz wenige Beispiele:<\/p>\n<ul>\n<li>Etwas weniger manchen Hobbies nachgehen und daf\u00fcr mehr Zeit f\u00fcr die Mitmenschen aufbringen.<\/li>\n<li>Nach vielen Jahren wieder anfangen, die Bibel zu lesen oder in die Sonntagsmesse zu gehen.<\/li>\n<li>Die Zeit am Handy reduzieren und mehr Zeit nehmen, um sich mit dem Kind abzugeben.<\/li>\n<li>Das Zusammenleben beenden und die Partnerbeziehung im Sakrament der Ehe unter den Segen Gottes stellen.<\/li>\n<li>Die Gier nach dem Geld und andere Begierden auf ein vern\u00fcnftiges Ma\u00df reduzieren. usw. usw. Wie es viele k\u00f6rperliche Krankheiten gibt, so gibt es auch viele &#8222;Krankheiten der Seele&#8220;, d.h. viele Formen von Fehlern und Fehlhaltungen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>In der ersten Lesung haben wir geh\u00f6rt, dass Gott den Plan gefasst hat, das Volk aus der Knechtschaft \u00c4gyptens herauszuf\u00fchren und in die Freiheit zu f\u00fchren (vgl. Ex 3,8a). Auf der einen Seite ging es den Israeliten in \u00c4gypten gut. Sie haben die Gurken, Melonen und vieles andere genossen. Auf der anderen Seite waren sie unfrei und Sklaven. Sie sind ein Sinnbild f\u00fcr viele Zeitgenossen. Auf der einen Seite geht es vielen Menschen gut, auf der anderen Seite gibt es viele Zw\u00e4nge, viele \u201eMuss\u201c. \u201eIch muss dies haben, ich muss jenes haben. Ich muss da dabei sein und mich dort sehen lassen. Ich muss mir das kaufen und jenes leisten k\u00f6nnen. Ich muss gut dastehen. Ich darf mir keinen Fehler leisten.\u201c Wie viel Formen von gr\u00f6\u00dferer und kleinerer Unfreiheit gibt es in unserer Gesellschaft? Die Israeliten sind unter der F\u00fchrung des Mose aus \u00c4gypten ausgezogen. Die Christen vollziehen unter der F\u00fchrung von Jesus Christus auch einen anderen Auszug, den Auszug aus falschen Lebensgewohnheiten, den Auszug aus einem Lebensstil, wo Geld, Vergn\u00fcgen und anderes zu dominant sind, den Auszug aus \u00dcbertreibungen und Zw\u00e4ngen, den Auszug aus der L\u00fcge, der Bequemlichkeit, der Habsucht und vielen anderen S\u00fcnden und Fehlern, S\u00fcchten und Begierden, die Paulus in der zweiten Lesung angesprochen hat (vgl. 1 Kor 10,6).<\/p>\n<p>Liebe Br\u00fcder und Schwestern, die Fastenzeit ist die gnadenvolle Zeit der Standortbestimmung. Wir k\u00f6nnen nicht die Welt verbessern und nicht die Mitmenschen verbessern. Wir k\u00f6nnen uns selbst \u00e4ndern und <strong>so<\/strong> tragen wir dazu bei, dass sich etwas in der Welt ver\u00e4ndert. Ein Christ bleibt nie stehen. Er ist ehrlich zu sich selbst und stellt sich die Frage: Wo muss <strong>ich<\/strong> mich \u00e4ndern \u2013 durch meine eigene Anstrengung und mit der Hilfe Gottes.<\/p>\n<p>Wer an sich arbeitet, der wird entdecken: Es gibt bei mir den einen oder anderen Punkt, wo ich scheinbar nicht weiterkomme. Der eine f\u00e4llt immer wieder ins N\u00f6rgeln, der andere k\u00e4mpft immer wieder mit seiner Feigheit, der dritte kann sich nicht befreien von der Eifersucht und der vierte von etwas anderem. Angesichts solcher Grenzerfahrungen ist es wichtig, nicht aufzugeben. Augustinus sagt einmal: \u201eWenn dich Gott auch nicht immer als Sieger sieht, so freut er sich doch, dich als K\u00e4mpfer zu sehen.\u201c Die Heiligen haben alle ein Leben lang mit dem einen oder anderen Punkt gek\u00e4mpft. Sie waren nicht immer Sieger, aber sie waren immer K\u00e4mpfer. Diese Bereitschaft liebt und ehrt Gott. Niemand von uns wird fehlerlos sein, aber es ist einfach wunderbar, wenn Menschen bei sich selber anfangen, anstatt \u00fcber andere herzuziehen. Jesus sagt einmal, dass jeder Mensch, der umkehrt, Freude im Himmel verursacht. Jeder von uns soll Freude im Himmel verursachen. Es ist angenehm, mit Menschen zusammenzuleben, die an sich selber arbeiten, auch wenn sie nicht fehlerlos sind. Zu dieser Umkehr ruft uns heute Jesus.<\/p>\n<p>Zum Schluss noch eine Geschichte f\u00fcr Kinder, aber nicht nur f\u00fcr Kinder: Ein b\u00f6ser Mann wurde von der Polizei geschnappt und vom Richter zu mehreren Jahren Gef\u00e4ngnis verurteilt. Die Jahre im Gef\u00e4ngnis waren gute Jahre, denn der Mann bereute und begann ein neues Leben. Der Tag der Entlassung kam. Wohin sollte er gehen? Darf er zur\u00fcckkommen in die Familie? Er schrieb an seine Familie: In wenigen Tagen werde ich entlassen. Dann fahre ich mit dem Zug nach Hause, der am elterlichen Hause vorbeif\u00e4hrt. Wenn ich nach Hause kommen darf, dann h\u00e4ngt bitte auf den\u00a0 Lindenbaum vor dem Haus ein wei\u00dfes Leintuch. So wei\u00df ich, dass ich kommen darf. Mit Herzklopfen stieg er in den Zug ein. Es wurde immer st\u00e4rker. Der entscheidende Moment kam. Pl\u00f6tzlich sah er den Lindenbaum. Er war behangen mit vielen wei\u00dfen Leint\u00fcchern.<\/p>\n<p>Bei Gott d\u00fcrfen wir immer nach Hause kommen. Durch seinen Tod und seine Auferstehung hat Jesus einen Baum mit vielen wei\u00dfen T\u00fcchern vor die T\u00fcren unseres Herzens gepflanzt. Ein solcher Baum steht auch vor jedem Beichtstuhl. Im Glauben sehen wir ihn. Die Liebe Gottes ruft uns zur Umkehr, sie ruft uns heim in das Erbarmen Gottes. Amen.<\/p>\n<p>P. Peter Willi FSO<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Gl\u00e4ubige, es gibt einen winzigen Ort auf der ganzen Welt, den wir selber gestalten k\u00f6nnen. Dieser winzige Ort ist unser eigenes Herz. 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