40jähriges Priesterjubiläum von Pfarrer P. Peter Willi FSO

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Am 30. Mai feierte P. Peter Willi mit der Pfarrgemeinde von Gisingen in einem wunderschönen Gottesdienst sein 40jähriges Priesterjubiläum. Am 30. Mai 1981 wurde er in Innsbruck von Bischof Reinhold Stecher zum Priester geweiht.

Zu Beginn des Gottesdienstes überbrachten die Moatla in einem inhaltsreichen Gedicht zusammen mit Blumen und einem Schäfchen, einer Bastelei, die Glückwünsche der ganzen Gemeinde. Unter der Leitung von Manuela Kaufmann sangen und musizierten die Moatla, an der Orgel ließ Birgit Ruess festliche Klänge ertönen und Dominique spielte Violine und sang ein berührendes französisches geistliches Lied.

P. Peter zelebrierte den Gottesdienst zusammen mit Kaplan P. Johann Fenninger FSO und P. Thomas Felder FSO, dem international Verantwortlichen der Priestergemeinschaft des „Werkes“.

Am Ende des Gottesdienstes überbrachte Georg Winkler den Glückwunsch der Ministranten. Manfred Nägele als stellvertretender Vorsitzender des Pfarrkirchenrates, und DI Markus Kerbleder, Vorsitzender des Pfarrgemeinderates, richteten herzliche Worte an den Pfarrer. Seine Freude und Dankbarkeit, Priester sein zu dürfen, war spürbar in den Worten der Predigt, die der Jubilar an die Gläubigen richtete. Es war ein Fest des Glaubens und der Freude.

Predigt von P. Peter Willi

Liebe Pfarrgemeinde!

Am Beginn meines priesterlichen Lebens vor 40 Jahren habe ich den guten Ratschlag bekommen, in der Predigt über Gott und den Glauben und nicht über mich selber zu sprechen. Wenn ich heute dennoch über mich spreche, dann versteht es bitte als Zeugnis für das, was Gott in meinem Leben getan hat.

Warum bin ich eigentlich Priester geworden?

Auf diese Frage habe ich nur eine Antwort: Weil Gott es so gewollt hat. Mit 17 Jahren gab es für mich zwei Optionen: Entweder Arzt werden, heiraten und Kindern das Leben schenken oder Priester werden. Zur ersten Option hat es mich hingezogen, zur zweiten ebenso, aber begleitet von einem gewissen Widerwillen. Ich hatte Schwierigkeiten; mich ganz auf Gott einzulassen. Ohne meine Freiheit zu verletzen, hat mich Gott durch ein tiefgreifendes Erlebnis, das ich als Berufung bezeichnen möchte, verstehen lassen, dass er mich als Priester haben will. Es war ein hartes Ringen, dazu Ja zu sagen. Zugleich wurde mir klar: Ich kann mich dem Willen Gottes nicht entziehen. Nachdem ich zum Ruf Gottes Ja gesagt habe, verwandelten sich die Bedenken in große Freude. Nichts und niemand hätten mich abhalten können, diesen Weg zu gehen. Im Lauf der Zeit gewann ich die Überzeugung, dass mir eine Ehe mit der liebenswürdigsten Frau der Welt nicht jene Erfüllung hätte schenken können, die ich gefunden habe. Der Ruf zum Priestertum kam aus der persönlichen Liebe Gottes zu mir, ein Geschenk Gottes an mich. Daran kann ich nicht im geringsten zweifeln.

Warum war ich immer gerne Priester und warum bin ich es heute noch?

An einem Vormittag gegen Ende meiner Ausbildungszeit saß ich in der Kapelle im Innsbrucker Priesterseminar und meditierte das Kapitel 20 der Apostelgeschichte. Dieses Kapitel enthält die Abschiedsrede des Apostels Paulus an die Ältesten der Christengemeinde von Ephesus. Paulus weiß, dass er sie nie mehr sehen wird. Sie waren ihm sehr ans Herz gewachsen. Er schaut zurück auf seinen Dienst in dieser Gemeinde. Im Blick auf die Zukunft sagt er: „Ich will mit keinem Wort mein Leben wichtig nehmen, wenn ich nur meinen Lauf vollende und den Dienst erfülle, der mir von Jesus, dem Herrn, übertragen wurde: das Evangelium von der Gnade Gottes zu bezeugen“ (Apg 20,24). Diese Worte haben mich sehr getroffen. Paulus will alles geben für eine Aufgabe, die ihm Jesus übertragen hat, nämlich: Das Evangelium., d.h. die frohe Botschaft von der Gnade Gottes zu verkünden und zu bezeugen. Ich spürte damals die große Freude, zum selben Dienst wie Paulus berufen worden zu sein und wählte deshalb diese Worte für mein Primizbildchen.

In den vergangenen 40 Jahren dachte ich immer wieder an die Apostel, die Brote und Fische an tausende Menschen verteilten. Ich habe nicht Brote und Fische, durfte aber den Menschen die Gaben Gottes austeilen: das Evangelium, die Frohe Botschaft von der Liebe Gottes, die wir heute am Dreifaltigkeitssonntag in besonderer Weise feiern. Ich durfte den Menschen die Sakramente und den Segen spenden, den Glauben verkünden, Orientierung und Begleitung aus dem Glauben herausgeben, an ihrer Seite stehen in den Höhen und Tiefen des Lebens und anderes mehr. Immer wieder durfte und darf ich staunen, was Gott durch mich hindurch tat und wirkt. Immer wieder spüre ich: Er beansprucht mich, aber das Eigentliche und Entscheidende tut er selbst.

Dank

Mein erster und größter Dank gilt dem dreifaltigen Gott, der mir das natürliche Leben, das göttliche Leben in der Taufe und die Berufung zum gottgeweihten und priesterlichen Leben geschenkt hat. Alles ist Gnade, alles Geschenk.

Ich danke meinen guten Eltern, meiner leiblichen Familie, meinen beiden Tanten im Kloster, vielen Priestern, Lehrern, Professoren und vielen anderen Menschen, von denen ich viel empfangen habe.

Ich danke meiner geistlichen Familie „Das Werk“, meinen Schwestern und Brüdern, in deren Mitte ich ein Zuhause in meinem priesterlichen Dienst gefunden habe. Die Gestalt, die Weisheit und die Worte von Mutter Julia, unserer Gründerin, haben mich sehr geprägt.

Ich danke den vielen Menschen, mit denen ich an vielen Orten zusammenarbeiten durften und die mich ergänzt und unterstützt haben. Von ihnen gibt es auch viele hier in Gisingen. Es ist lange Liste von Namen. Ich danke allen, die meine Grenzen und Fehler geduldig ertragen haben.

Gott hat mir auch ein besonderes Verlangen geschenkt, jungen Menschen zu helfen, die daran denken, die geistliche Berufung, d.h. die priesterliche oder gottgeweihte Berufung zu ergreifen. Ich freue mich und danke Gott, dass ich einigen jungen Frauen und Männern helfen durfte, diesen Weg zu ergreifen. Sie wirken heute segensreich in verschiedenen Ländern, im „Werk“ und anderen Gemeinschaften.

Blick in die Zukunft

Die Apostel haben Brote und Fische ausgeteilt. Am Ende brachten sie zwölf volle Körbe zurück. Was Gott gibt, das gibt er im Übermaß. Ich habe mich bemüht, die geistlichen Reichtümer Gottes auszuteilen und bin dafür überreich beschenkt worden. Gott ist ein wunderbarer „Arbeitgeber“. Ich trage einen vollen Korb der Gaben Gottes in meinem Herzen und möchte davon weiter austeilen in den Jahren, die Gott mir noch schenkt.

Wenn ich die Liebe bedenke, mit der Gott mein Leben heimgesucht hat, kommt mir das Lied „Großer Gott, wir loben dich“ in den Sinn. Deshalb habe ich dieses Lied auch als Schlusslied dieses Gottesdienstes gewählt. Bitte betet für mich, ich tue es für euch.

Amen.